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Über die Kampagne

Der Landesverband Sozialpsychiatrie MV e.V. führt von April 2016 bis Mai 2017 ein Projekt zur Entstigmatisierung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen durch. Das Projekt wird durch Aktion Mensch gefördert. Die Anti-Stigma-Kampagne ist auf das gesamte Bundesland Mecklenburg Vorpommern ausgerichtet. Die Kampagne ist trialogisch, also zusammen mit Betroffenen, Angehörigen, Fachkräften und weiteren wichtigen Partnern aus Politik und Verwaltung organisiert und umgesetzt. Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf dem Thema Teilhabe an Arbeit. Nachfolgend finden Sie nähere Informationen rund um das Thema.

Herzlich Willkommen auf dieser Seite. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Melden Sie sich bei Fragen oder Anmerkungen gerne unter unten stehenden Kontaktdaten.

Kurzbeschreibung

Die Kampagne wirbt für die Auseinandersetzung mit dem Thema Entstigmatisierung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen auf mehreren Wegen.

In einer Arbeitsgruppe, zusammen gesetzt aus Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften der Sozialpsychiatrie wurden Plakate, Postkarten und diese Homepage entwickelt. Die Plakate und Postkarten können von der Homepage heruntergeladen werden. Wir möchten Sie herzlich einladen, diese Erzeugnisse gerne zu nutzen, um unsere Kampagnenbotschaft weiter zu verbreiten. Die Plakate und Postkarten wurden entwickelt, um über diese Bilder ins Gespräch zu kommen.

Begleitend werden Veranstaltungen umgesetzt, die über psychiatrische Krankheitsbilder und Stigmatisierungsprozesse informieren und das Nachdenken über den eigenen Umgang mit Vorurteilen anregen. Die Veranstaltungen richten sich unter anderem an Mitarbeitende aus dem Medienbereich, an Multiplikatoren aus der Arbeitswelt, an Betroffene, Angehörige und Fachkräfte aus dem psychiatrischen Bereich.

Eine wichtige Präventionsstrategie bei den Veranstaltungen ist es, Begegnungen und Austausch mit Menschen zu schaffen, die Erfahrungen mit psychiatrischen Erkrankungen gemacht haben.

Hintergründe

Im nachfolgenden Text haben wir aufgeführt, warum es wichtig ist, sich mit dem Thema psychische Erkrankungen und Stigmatisierung auseinander zu setzen:

  • Ungefähr jeder dritte Bundesbürger ist mindestens einmal im Leben selbst oder als Angehöriger von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die Relevanz des Themas ist also hoch.
  • Aus Sorge vor Stigmatisierung verzögern viele Menschen die Inanspruchnahme psychiatrischer Hilfen. Dadurch werden die Menschen mit psychischen Erkrankungen durch das regionale Versorgungssystem viel zu spät oder gar nicht erreicht.
  • Stigmatisierungserfahrungen von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zählen also zu den wesentlichen Faktoren, die die Stabilisierung und Chronifizierung von psychischen Erkrankungen begünstigen.
  • Durch Stigmatisierungsprozesse werden nicht nur die Selbstwirksamkeitserfahrungen untergraben. Auch fehlen so für die Menschen wesentliche Ressourcen wie zum Beispiel Freundschaften, Anerkennung und Wertschätzung durch Arbeit zur Genesung.
  • Vorurteile und Ausgrenzungsprozesse übertragen sich häufig auch auf Angehörige.
  • Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen können sogar als zweite Erkrankung neben der eigentlichen Erkrankung gelten (Asmus Finzen)

Menschen mit psychischen Erkrankungen werden durch Zuschreibungen und Vorurteile diskriminiert und ausgeschlossen. Sie haben auf Grund dessen beispielsweise erheblich schlechtere Chancen eine Arbeitsstelle zu bekommen. Eine Arbeit zu haben bedeutet unter anderem Sinnerfüllung, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Aus diesem Grund haben wir unseren Schwerpunkt in der Anti-Stigma-Arbeit auf das Thema Teilhabe an Arbeit gelegt.

Ziele

  • die wertfreie Aufklärung über Stigmatisierung und bestimmte Diagnosen (z.B. Depressionen, Schizophrenie)

  • das Auslösen von selbstreflexiven Prozessen bei bestimmten Zielgruppen (z.B. Journalisten, Multiplikatoren der Arbeitswelt, Fachkräfte)

  • die bessere Vernetzung bestehender Aktivitäten und deren Bündelung in einem Bündnis gegen Stigma

  • die Entwicklung von Qualitätskriterien für lokale Aktivitäten

Teilprojekte

Öffentlichkeitsarbeit

Fachtag

Workshops

Portfolio: Die Plakate und Postkarten

Zusammen mit Betroffenen und Angehörigen haben wir die nachfolgenden Plakate und Postkarten entwickelt und umgesetzt. Unsere Idee ist es, gängige Vorurteile über Menschen mit psychischen Erkrankungen zu nutzen und in einen neuen, ressourcenorientierten Rahmen zu setzen. Auf den Plakaten sind Betroffene im Arbeitskontext zu sehen.

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Meinungen zur Anti-Stigma Kampagne M-V

Wir haben gefragt:

Weshalb ist diese Kampagne Ihrer Meinung nach von hoher Bedeutung für unser Bundesland Mecklenburg-Vorpommern?

„Ich finde es wichtig, dass wir nicht nur regional sondern auch auf Landesebene für die Entstigmatisierung von psychisch beeinträchtigten Menschen eintreten, damit diese Menschen eine breitere Lobby in der Öffentlichkeit erhalten. Unser Ziel dabei ist es, psychische Krankheiten, von denen immer mehr Menschen betroffen sind, zu entstigmatisieren und Diskriminierungen abzubauen. Ebenso soll die Öffentlichkeit mehr über diese Erkrankungen erfahren, damit diese Menschen besser unterstützt werden können.“

Dr. Antje Wrociszewski, Sucht- und Psychiatriekoordinatorin der Hansestadt Rostock, Gesundheitsamt Rostock

„Menschen mit psychischen Erkrankungen sind ein Teil unserer Gesellschaft. Sie brauchen Akzeptanz, Respekt und gegebenenfalls Unterstützung. Dafür stehe ich ein.“

Prof. Dr. Andreas Speck, Professor für Sozialpsychologie, Sozialpsychiatrie und Gender/Diversity im Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung der Hochschule Neubrandenburg, Vorstandsmitglied des Institutes Sozialpsychiatrie Mecklenburg Vorpommern e.V.

„Es macht mich traurig, dass sich Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung auch heute noch mit einem negativen Stereotyp konfrontiert sehen. Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, werden immer noch pauschal als gewalttätig und unberechenbar eingestuft. Menschen mit Depressionen oder einer Suchterkrankung hören oft, ihnen fehle nur die nötige Selbstdisziplin. Dies sind nur zwei Beispiele für Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen. Sie müssen häufig erfahren, wie sich Menschen aufgrund ihrer Erkrankung von ihnen abwenden oder wie ihnen Lebenschancen genommen werden. Die Ausgrenzung und Diskriminierung psychisch Kranker erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen: Im Rahmen zwischenmenschlicher Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, durch die Politik oder allein durch eine diskriminierende Darstellung seelisch Kranker in den Medien.
Ich bin davon überzeugt, wenn Menschen mit einer Psychiatrieerfahrung Verständnis, Achtung, Wertschätzung und gesellschaftliche Teilhabe in Mecklenburg-Vorpommern erfahren, dann können Stigmatisierungen in Form von Vorurteilen überwunden werden.“

Andreas Zobel, Bereichsleiter Gefährdetenhilfe / Sozialpsychiatrie, Diakonie Güstrow e.V.

„In meiner jahrelangen Tätigkeit in der Sozialpsychiatrie habe ich festgestellt, dass Vorurteile bei uns allen tief verwurzelt sind. Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen wirklich zu überwinden, heißt sich immer wieder damit bewusst auseinanderzusetzen. Darum ist diese Kampagne so wichtig und so aktuell.
Ich bin überzeugt: wir haben alle viele individuelle Möglichkeiten in uns, die eine humanistische Gesellschaft für ein gelingendes Zusammenleben braucht. Diese großen Chancen möchten wir gerade auch für die Arbeitswelt und Unternehmen im Land  aufzeigen und verstehen uns dabei auch als Partner bei ganz praktischen Fragen der Beschäftigung.!“

Sandra Rieck, Vorstand und fachliche Leitung, Das Boot Wismar e.V., Verein zur Förderung seelischer Gesundheit und Integration

Ich unterstütze die Kampagne weil ich selbst betroffen bin und nicht gern in diese Schublade „psychisch krank“ gesteckt werde. Es geht nicht darum, auf die Defizite zu schauen, sondern die Fähigkeiten zu stärken. UND DIE HAT JEDER!

Gabi Pertus, Genesungsbegleiterin, Autorin und Kulturschaffende, Your Content Goes Here

Ich habe bei diesem Projekt mitgemacht, da ich der Gesellschaft auch etwas zurückgeben möchte. Ich habe durch Behandlung und Reha oft eine zweite Chance bekommen. Indem ich mich für eine menschlichere Psychiatrie einsetze – auch hinsichtlich eines faireren Trialoges – habe ich die Möglichkeit, meiner Krankheitsgeschichte einen noch stärkeren Sinn zu geben. Durch diese Kampagne erwerben wir Betroffene mehr Selbstbewusstsein, Respekt und Achtung. Ich wünsche mir einfach einen „normaleren“ Platz in der Gesellschaft.

Alexander Weiß, Genesungsbegleiter, Your Content Goes Here

Ich finde sie generell wichtig. Allein, da bei zahlreichen Menschen, welche von psychischen Störungen und Erkrankungen hören, dank u.a. unserer Medien, Bilder von Flugzeugpiloten oder Massenmördern in den Sinn kommen. Kaum einer denkt dabei an den ständig übermüdeten Kollegen, die offensichtlich überforderte Bedienung oder den unzufrieden cholerischen Chef (alles traumhafte Vorboten). Selten wird das Potenzial von Krisenerfahrenen gesehen oder erkannt und ich weiß aus eigener Erfahrung mit welche scheinbaren Windmühlen ich kämpfen durfte.

Christian Kruschel, Genesungsbegleiter i.A., Heilpraktiker für Naturheilkunde und Psychotherapie i.A., Your Content Goes Here

Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung

Nähere Informationen, Beratung und Informationen über Hilfemöglichkeiten bei psychischen Erkrankungen erhalten Sie unter anderem hier:

  • Hausärzte, Neurologen, Psychiater

  • Psychosoziale Beratungsstellen

  • Träger der Sozialpsychiatrie

  • Selbsthilfegruppen

  • Institutsambulanzen psychiatrischer Krankenhäuser

  • Krankenkassen

  • Sozialpsychiatrische Dienste und Psychiatriekoordinatoren

  • Integrationsfachdienste

  • Schulsozialarbeiter (bei Kindern und Jugendlichen)

  • Berufliche Trainingszentren (BTZ)

  • Berufsförderungswerke (BFW)

  • Basiswissen psychische Erkrankungen: psychenet

  • Informationsmaterialien des BApK (Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.)

  • Handlungsleitlinie für Führungskräfte der BARMER GEK

  • Fair Media: Diskriminierungsfreie Berichterstattung über Menschen mit psychischen Erkrankungen

Kontakt

Für Fragen oder Anregungen zur Anti-Stigma Kampagne MV stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

persönlich

Landesverband Sozialpsychiatrie M-V e.V.

Carl-Hopp-Str. 19a

18069 Rostock

schriftlich

Anke.Wagner(at)sozialpsychiatrie-mv.de

E-Mail schreiben

telefonisch

(0381) 123 718 1

Projektbeteiligte und Unterstützer

Wir möchten an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Unterstützer dieses Projektes sagen: